Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung


Schnetter, Antje

Wie ich einen DDR-Ausweis erhielt

Nein, ein Pass war es natürlich nicht und auch die DDR-Staatsbürgerschaft habe ich nie erhalten, aber aufregend war es doch, als ich mir nach dem Treffen in Babelsberg und einem kurzen Ausflug nach Westberlin für die Transitstrecke von Drewitz nach Marienborn eine Identitätsbescheinigung der Deutschen Demokratischen Republik mit Lichtbild und Stempeln ausstellen lassen musste.

Der Grenzbeamte hatte meinen Kinderpass energisch angefasst und hielt plötzlich drei lose Blätter in der Hand – der Pass war damit ungültig. Uns blieb nichts anderes übrig als auszusteigen, Passbilder machen zulassen und auf eine druckfrische Identitätsbescheinigung zu warten. Wir folgten in allem gehorsam – nur die strikte Anweisung des DDR-Grenzpostens, diese Bescheinigung beim Verlassen der DDR unbedingt wieder abzugeben, haben wir nicht befolgt. So besitze ich auch heute noch ein kleines Stück deutsch-deutsche Vergangenheit.

Das Treffen in Babelsberg werde ich auch aus folgendem Grund nicht vergessen. Bei dem Ausflug nach Sanssouci gingen wir vom Schloss durch den Park zum Chinesischen Teehaus.. Ich wollte auf dem Rückweg noch mal unbedingt zum Teehaus zurück. Ich weiß nicht mehr genau, warum. Wollte ich noch eine Postkarte kaufen oder sogar verbotenerweise noch etwas Gold von der Wand als Souvenir abkratzen. Es sollte eigentlich ganz schnell gehen.

Ich hatte mir auch genau den Weg eingeprägt. Leider bin ich dann auf dem Rückweg vom Teehaus in die falsche Richtung gelaufen und irgendwann war mir klar, dass ich mich verlaufen haben musste. Das Wetter war nicht schön, der Himmel bewölkt und es waren auch kaum Besucher im Park. Ich traf keinen, den ich nach dem richtigen Weg fragen konnte. Schließlich kam ich zum Neuen Palais. Das Palais lag düster und verlassen da. Seine Figuren auf dem Dach machten einen sehr bedrohlichen Eindruck auf mich. Als dann noch eine Gruppe Soldaten vor dem Schloss vorbeimarschierte, wurde es mir doch etwas mulmig. Irgendwie bin ich dann doch wieder auf den großen Weg, der längs durch den Park verläuft, gekommen und in Richtung Schloss gegangen, wo ich dann auch die Gruppe wieder getroffen habe.
 


Erinnerungen an den bunten Abend in Kyritz 1986

Es war am Samstag Abend. Zum Essen gab es viele mitgebrachte Sachen: Kuchen,(der "kalte Hund" wurde sehr bewundert und zögernd probiert), Obst, Salate. Irgendjemand sagte: "Das ist ja wie Weihnachten, wenn die Westpakete ausgepackt sind!" Es wurde musiziert, gesungen und das 30. Jubiläum gefeiert. Wir machten ein Spiel, bei dem Sachen umschrieben und erraten werden sollten, die dann auch derjenige erhielt, der als erster die Lösung wußte - ein Festmahl für 2 Personen war z.B. eine Tütensuppe. Immer waren es irgendwelche lustige Kleinigkeiten. Was haben wir gelacht!

Zwischendurch wurde Knabberzeug auf die Tische gestellt. Pistazien waren auch dabei. Selbst bei uns waren sie damals noch nicht so verbreitet und üblich. Deswegen mussten wir sofort welche probieren, obwohl es immer hieß, dass wir uns zurückhalten sollten, da wir so Sachen ja sonst auch immer essen könnten. Die Pistazien schienen den Jugendlichen aus der DDR aber gar nicht zu schmecken, was uns schon etwas wunderte, bis sich herausstellte, daß sie die harte Schale nicht abgemacht hatten, sondern sie mitgegessen hatten.

Antje Schnetter
Jahrgang 1970