Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung


Funke, Christine

Danke

Ein paar Gedanken will ich auch noch aufschreiben. Trotzdem  kann ich in wenigen Worten nicht wiedergeben, wie viel mir unsere Ost-West- bzw. Nord-Süd-Treffen bedeuten.

Dankbar bin ich Ulli Rohr, der mich damals mit auf die Liste für die Begegnungsfreizeit schrieb, obwohl ich das Alter noch nicht ganz erreicht hatte - denn 16 Jahre sollte man schon sein. Ich glaube am Anfang haben wir - Regina, Irmtraut und ich - mehr gestört, weil wir so viel gelacht haben und die Diskussionen von den klugen Erwachsenen nicht so richtig verstanden. Trotzdem freute ich mich wieder auf das nächste Treffen und die Tage in der Gemeinschaft. Dazu kam die Freude über die verschiedensten Geschenke, die es in der DDR gar nicht gab, und die uns die Freunde zum Teil unter schwierigen Bedingungen mitbrachten. So begleitete mich ein kleiner Reisetauchsieder durch meine Ausbildungszeit.

Die Bibelarbeiten, persönlichen Gespräche, Gebete, gemeinsamen Unternehmungen, Ausflüge, viel Singen, herzliches Lachen, Spiele an bunten Abenden und oft ein gemeinsames Abendmahl in unserem Kreis, sind feste und mir vertraute Bestandteile unserer vielen Begegnungen, auf die ich mich von Jahr zu Jahr wieder freue.

Ein Erlebnis war die erste große Reise 1991 nach Gersbach, mit Tobias im Nachtzug von Hamburg bis Basel. Nach dieser langen Fahrt wusste ich erst, wie groß Deutschland eigentlich ist und wie viel Zeit unsere Badener Freunde für uns immer aufbringen mussten, damit diese Treffen auch stattfinden konnten.
Das Rüstzeitheim in Gersbach konnte unsere Gruppe von ca. 90 Leuten nicht alle beherbergen. Ein paar von uns, auch Tobias und ich, waren im Naturfreundehaus untergebracht. Für den Samstag war ein Tagesausflug mit zwei Bussen durch den Schwarzwald geplant. Der Treffpunkt war am Rüstzeitheim. Irgendwann bemerkte Tobias die Ruhe im Haus. Alle waren weg - meine Uhr war stehen geblieben. Wir hatten die Abfahrt  für die schöne  Schwarzwaldtour, auf die wir uns schon so gefreut hatten, verpasst. Ich wusste nur, dass unsere Gruppe irgendwann in St. Blasien den Dom besichtigen wollte. Also machten wir uns per Anhalter auf den Weg. Das erste Auto hielt auch an, ich traute meinen Augen nicht, denn am Steuer saß Dieter Dorer. Er fragte in seinem herrlichen Badener Dialekt: „Was macht’s ihr denn hier?“ Wir lachten und nach kurzer Erklärung brachte er uns zum Treffpunkt. Die Abfahrt der Busse hatte sich verspätet, weil die Lunchpakete noch eingeladen werden mussten. (Dieter nahm an der Fahrt nicht teil, weil er eine Fußverletzung hatte.) Für uns wurde es noch ein schöner Tag.

An dieser Stelle möchte ich all denen danken, die mit viel Mühe, guten Ideen und Zeitaufwand diese Tagungen und Ausflüge Jahr für Jahr organisieren und vorbereiten. Von unseren vielen Begegnungen durch ganz Deutschland gibt es so viele schöne Erinnerungen.

Durch unsere  freundschaftlichen Verbindungen habe ich auch viel materielle Hilfe bekommen, in Form von Kindersachen für meine Jungs. Darüber habe ich mich immer sehr gefreut. Danke!

Nach der Wende durften wir Urlaub in der Lüneburger Heide machen, an den wir noch sehr gerne denken. Viele Einladungen wurden ausgesprochen, die ich gar nicht alle annehmen konnte. Aber über Walsrode, Stuttgart, Freiburg bis zum Bodensee habe ich durch Besuche unvergessliche Stunden bei liebgewordenen Freunden erleben dürfen, wofür ich sehr dankbar bin. So bleibt die Freude auf das Wiedersehen.

Für mich sind unsere Begegnungen über Jahre, Grenzen und Mauern  etwas Wunderbares.

Christine Funke