Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung


Pzrybilski, Helmut
Vorbereitungen:  Gersbach 1991

 

Als einer der wenigen, die 1957 beim Ursprung unserer Begegnungen dabei waren, und bis 2001 an allen Treffen teilgenommen haben, habe ich natürlich viele Erinnerungen und Erfahrungen, die es wert wären, über sie zu berichten. Die Treffen von 1983 und 1984 bei uns in Babelsberg gehören dazu. Darüber berichtet jedoch Christa.

Ich will darum eingehen auf einen Höhepunkt besonderer Art bei unseren Treffen: die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Günter Richter bei unserem 35. Treffen im Jahre 1991 in Gersbach.
Günter Richter
Nachdem 1990 in Hirschluch verabredet war, bei der für uns DDR-Bürger neuen Reisefreiheit das 35. Treffen am Ausgangspunkt aller späteren Begegnungen in Gersbach vorzubereiten, und nach dem Vollzug der deutschen Einheit am 3.Oktober 1990 ist mir bewusst geworden - wie vielen aus unserer Gruppe -, dass Günter als Initiator, Inspirator und Organisator der jährliche Gruppenfahrten durch die Mauer und über die "Staatsgrenze der DDR" einen bemerkenswerten Beitrag zur innerdeutschen Kontinuität im kirchlichen, aber auch im politischen Miteinander geleistet hat. Er erschien mir einer besonderen Würdigung wert.

Nach Beratung mit Reinhard Appel, dem bekannten Fernsehjournalisten und Vorsitzenden des Bonner Potsdam-Clubs, zu dem im Rahmen der Städtepartnerschaft Bonn – Potsdam ein freundschaftliches Verhältnis entstanden war, beantragte ich die Auszeichnung Günters beim Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg in meiner Eigenschaft als Stadtpräsident von Potsdam (Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung).

Gerade hatte ich den Antrag an den Ministerpräsidenten Späth mit ausführlicher Begründung zu Papier gebracht, da musste dieser aus bekannten Gründen zurücktreten. Um einen Zeitverzug zu vermeiden, schickte ich mein Schreiben an die Staatskanzlei Baden Württembergs. Der neugewählte Ministerpräsident Erwin Teufel unterstützte meinen Antrag und leitete ihn an Bundespräsident Richard von Weizsäcker weiter. Reinhard Appel sorgte mit seinen Beziehungen zur Bundespräsidialkanzlei dafür, dass er zügig bearbeitet wurde.
Helmut Przybilski
Nur Günter und seine Familie wussten Bescheid, da Günter angefragt worden war, ob er die Auszeichnung annähme. Mit Genehmigung der Kirchenleitung konnte er zustimmen. Auch Ulla und Walter hatten wir als unsere Gastgeber eingeweiht. Alle übrigen waren sehr verwundert darüber, dass Familie Richter den Essensraum des Heimes so festlich ausgestaltet und sich selbst entsprechend gekleidet hatte. Sie ahnten auch nichts, als mehr als eine Stunde des Wartens überbrückt werden musste, weil der Oberbürgermeister von Emmendingen, der die Auszeichnung überbringen sollte, Schwierigkeiten hatte, das außerhalb und oberhalb von Gersbach gelegene Rüstzeitheim zu finden. Schließlich traf er ein und das Geheimnis der rätselhaften Vorbereitung wurde gelüftet.

Es folgte eine feierliche Stunde mit Laudatio und Ordensverleihung durch den Emmendinger Oberbürgermeister sowie kurzen Ansprachen der Beteiligten und des Ausgezeichneten. Von Michael ist dies alles auf einem Video dokumentiert worden.

Anmerken muss ich noch, dass ich vom Emmendinger OB belehrt wurde, dass das von mir in der Begründung des Antrags verwendete Adjektiv "Badenser" für die so-richtigen "Badener" als Schimpfwort angesehen würde. Ich habe es mir gemerkt, auch wenn vom Duden beide Formen als gleichberechtigt nebeneinander genannt werden.

Helmut Przybilski