Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung


Schwarz, Margrit
Der Reichtum unserer Gruppe

Im Jahre 1957 war mein Bruder Helmut Pfarrer in Gersbach und Günter Richter betreute dort als Jugendwart das erste Treffen Baden - Berlin-Brandenburg. Ich verfolgte dadurch diese Treffen mit Interesse, kannte ich doch die Problematik Ost-West durch meine jährlichen Berlinbesuche mit meinen Schulklassen. Im Jahr 1984 stieß ich dann in Babelsberg persönlich zu unserer Gruppe – Günter Richter war damals unser Gemeindepfarrer und so war ich willkommen.

Als Erstes war ich dort beeindruckt vom starken Gemeinschaftsgefühl und der Herzlichkeit, mit der man miteinander umging. Die Bibelarbeit war engagiert an Lebensfragen angesprochen und schien mit Hilfe zu sein für Christen in der DDR, obwohl ich mich nicht traute, politische Fragen anzusprechen. Bei einem Besuch im Potsdamer Schlossgarten bliesen die Bläser der Philharmoniker in den Abendhimmel Volkslieder. Nie werde ich die allgemeine Erregung vergessen, als "Die Gedanken sind frei" erklangen.

Beim anschließenden Besuch von Dorothea in Emmendingen vermittelte sie mir eine Freundin aus Meißen, die als Porzellanmalerin der Manufaktur viel  Interessantes mir und meiner Porzellangruppe vermittelte.

Bei jedem der Treffen, an denen ich in der Folgezeit fast immer teilnahm, war ich beglückt vom Zusammengehörigkeitsgefühl und dem gegenseitigen Interesse. Obwohl ich relativ spät zur Gruppe gestoßen war, ergaben sich allmählich dennoch persönliche Beziehungen durch Erzählen, Zuhören und Besuche – auch in Emmendingen. Das dankbar empfundene Vertrauen und die Ehrlichkeit in unseren Gesprächen und Themen machten mich bereit, bei unserem letzten Treffen im Waldhof in Freiburg zum Thema "Dietrich Bonhoeffer"  zum ersten Mal über meine Erfahrungen in meiner Jugend als Zeitzeuge im Nazireich – als sogenannter "jüdischer Mischling" zu berichten. Dankbar habe ich empfunden, wie die Gruppe diese für mich nicht leichte Jugend mitempfunden hat. Dieses gegenseitige Tragen macht wohl den eigentlichen Reichtum  unserer Gruppe aus.

Margrit Schwarz