Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung

Bernhard - Nachwort

Im Schatten von Mauer und Stacheldraht
aber immer im Zeichen des Kreuzes

28 Jahre lang teilte die Mauer Deutschland mit Berlin in zwei Teile, die immer weiter auseinander drifteten. Sie durchtrennte gewachsene Kulturlandschaften, zerschnitt Siedlungen und zerriss Freundes- und Familienbande. An vielen Orten hinterließ sie Schmerz, Trauer und Einsamkeit. In ihrem Schutz ließen sich Menschen verführen, ihre Macht unerbittlich und unnachgiebig bis zum Äußersten auszuüben.

Aber nicht alle nahmen die Mauer als unabwendbares Schicksal hin. In ihrem Schaffen verstärkten sich auch manch alte Bande, kamen neue Kontakte zustande, die wuchsen und sich festigten. Zu diesen gehörte auch jene Gruppe junger Christen aus Baden und Berlin-Brandenburg, die sich zum ersten Mal 1957 in Gersbach und in den folgenden Jahren in Berlin trafen. Aber auch für diese Gruppe änderte sich das Leben mit dem 13. August 1961 entscheidend. „Jetzt erst recht“ traf man sich eben in den folgenden 12 Jahren in Ostberlin. Aber trotz allem Optimismus hatte die Mauer uns doch fast besiegt, als das „Fähnlein der Sieben Aufrechten“ am Ende einer Begegnung in der Pension Elfert zusammensaß und überlegte, wie und ob überhaupt es weitergehen sollte.

Aber alle Überlegungen und Zweifel wurden hinfällig, als für uns die Reisefreiheit in der DDR in Kraft trat. Mit jedem Treffen wuchs die Hoffnung und die Zahl der Teilnehmer, nahm die Intensität der Begegnungen zu, denn jetzt konnten wir ja Tag und Nacht gemeinsam verbringen. So sei an dieser Stelle einmal die Behauptung gewagt:

„Ohne Mauer und Stacheldraht würde es unsere Gruppe
heute so nicht geben.“

Vergessen wir aber über diese, eigentlich plausibel klingende Erklärung nicht jenes Wort, das uns 1991 in Gersbach begrüßte.

„Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!“




Es hat alles seine Zeit.

Es hat alles seine Zeit,
und alles Tun unter dem Himmel hat seine Stunde.
Geborenwerden hat seine Zeit. Sterben hat seine Zeit.
Pflanzen hat seine Zeit und Ausreißen hat seine Zeit,
Töten, Heilen, Einreißen und Bauen.
Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit. Klagen und Tanzen
Steine wegwerfen und Steine sammeln,
Umarmen und Getrenntsein, Suchen und Verlieren,
Behalten und Wegwerfen, Zerreißen und Nähen.
Schweigen hat seine Zeit und Reden hat seine Zeit,
Lieben und Hassen, Streit und Frieden.

Prediger 3, 1-8

Bernhard Schnetter