Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung


Prey, Regina und Peter

Eindrücke zum Treffen

In den 60er Jahren gab es im Kirchenkreis Kyritz einen Jugendpfarrer Ulli Rohr. Er berichtete in der Jungen Gemeinde über ein Treffen mit Jugendlichen aus dem „Westen“. Das machte mich neugierig. Die Voraussetzung zur Teilnahme war jedoch, dass wir 16 Jahre alt sein mussten. Somit war die Teilnahme für Christine Funke, Irmtraut Rensch und mich 1965 gesichert. Tine und ich waren zwar im Prüfungsstress (10. Kl. Schulabschluss), aber die Vorfreude und das Gespanntsein auf das, was uns dort in Berlin erwarten würde, hat uns fast die Angst vor den Prüfungen genommen. In jenem Jahr trafen wir uns in Berlin-Friedrichshain im Paulinum. Von der “Westseite“ kamen damals auch viele neue junge Leute mit wie z.B. Heinz-Bodo-Gottfried Powalla. Er ist mir in Erinnerung geblieben, weil es durch ihn viel „Action“ gab und das hat mir wohl gefallen. In den Gesprächsrunden kam ich mir allerdings sehr klein vor, weil so „gescheit“ diskutiert wurde. Aber ich hätte mich damals sowieso nicht getraut, etwas zu sagen, auch wenn ich etwas zu sagen gehabt hätte.

Überwältigend und zugleich beschämend war für mich, als wir uns von dem vielen „Mitgebrachten“ etwas aussuchen sollten. Ähnlich erging es uns später, als wir als Geschenk D-Mark bekamen und dann damit in den Intershop gingen; Peter und ich mit 5.- DM. Peter ging zu den Klamotten und ich zu den Matchboxautos. Wir konnten uns nicht einigen und so blieben uns die 5,-DM noch länger erhalten.

Sehr wichtig waren und sind heute noch die biblischen Themen, die wir im Bezug zu unserer Zeit besprechen und diskutieren; dadurch sind sie interessant und lebendig und nicht abstrakt. Von Bedeutung war und ist für uns‚ dass wir anschließend in kleinen Gruppen mit der Arbeit begannen, so dass auch die nicht-so-redegewandten Teilnehmer einmal ihre Meinung äußem konnten. Im großen Plenum gab es in unserer Anfangsphase aus meiner Sicht etwa 4-5 dominante Redner, so dass sich die Gespräche nur zwischen diesen abspielten. Diese Treffen haben sich zu einem festen Bestandteil unseres christlichen Lebens entwickelt und begleiten uns wie ein roter Faden.
 

Als Peter dann in mein Leben trat und ich ihn auch an diesen Treffen teilnehmen lassen wollte, war er zunächst ablehnend. Seine Erfahrungen mit Menschen aus dem „Westen“ waren so, dass er sie als arrogant und hochnäsig empfunden hatte. Er wurde von mir überzeugt, dass die Leute von diesem Treffen ganz anders sind und er hat dann ja auch teilgenommen. Seine Erfahrungen waren dann tatsächlich positiv und so ist er ja immer wieder mit dabei. Übrigens habe ich mich immer auf die Joghurt gefreut, die ihr von eurem Frühstück mitbrachtet, als wir uns noch in Berlin trafen.

Erinnern möchte ich auch an das „Erlebnistreffen“ in Pankow, wo auch einige unserer Männer aus „Ost“ und „West“ von den Grenzsoldaten vorläufig festgenommen wurden, als Dieter Dorer völlig unbefangen den Grenzposten an der Mauer fotografierte. Spannend war auch immer wieder, ob und wie es gelang, Schriftenmaterial und auch Zeitschriften zu uns in den Osten zu schmuggeln.

Von ganz großer Bedeutung war es auch für uns, dass sich Freundschaften entwickelten, die dann auch zu direkten Besuchen - Einreisen in die DDR führten. Und so konnten später die Treffen ja direkt in der DDR organisiert werden, immer an verschiedenen Orten. Seit dieser Zeit sind wir ja meistens 3 Tage zusammenhängend beieinander. Zweimal waren wir auch in Ludwigslust Gastgeber. Da sich auch in Ludwigslust sehr vieles zum Positiven verändert hat, würde ich mal sagen: Alle guten Dinge sind drei? Durch diese Freundschaften hatten wir dann ja auch seit 1986 die Möglichkeit, bei Verwandtenbesuchen Baden-Württemberg und Umgebung (Frankreich, Schweiz) kennen zu lernen. Dafür sind wir sehr dankbar; denn wir sind der Auffassung, dass wir durch die vielen wunderbaren Kontakte und Gespräche nicht so “blauäugig“ in die Vereinigung der beiden deutschen Staaten gegangen sind.

Uns hat auch die Geschichte und die Erfahrung mit Wyhl gezeigt, daß jeder etwas tun muss, wenn etwas verändert werden soll, auch wenn wir das damals mit Wyhl nicht so ganz richtig begriffen haben; im Nachhinein jedoch schon.

In den 36 Jahren meiner/unserer Zugehörigkeit haben wir nur dreimal nicht teilnehmen können. 1970 war Thomas 1/2 Jahr alt und wir mussten bei ihm bleiben. 1996 war ich zur Kur und 2001 waren wir mit der Sanierung des Hauses soweit, dass das zweite Dach abgedeckt werden mußte. Dies wurde von Thomas und Peter mit sehr großem Engagement geleistet, so dass dadurch das riesige Finanzvolumen reduziert werden konnte. Daraus lässt sich ableiten, dass es uns immer wichtig war, an den Treffen teilzunehmen. Diese Ost/West/Nord/Süd-Begegnungen haben sich für uns als eine Art Heimat im christlichen Glauben etabliert, die zu unserem Leben dazugehören. Seit 1989 ist ja gerade in unserem Leben im Osten sehr viel in Bewegung geraten und damit auch viel Diskussionsstoff in unseren Gesprächen.

Es ist schön, dass wir uns immer noch treffen und wir hoffen, dass dies auch noch viele Jahre weitergeht.
 
 

Regina und Peter Prey