Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung


Schampe, Waltraud
Es begann in Gersbach

 

Das erste Begegnungstreffen 1957 habe ich besonders hinsichtlich der weiten Fahrt so richtig genossen. Zehn Paar Stullen waren Reiseproviant. Umgetauschte 5,- DM – West waren in der Schuhsohle versteckt von wegen "Notfall".

Basel umsteigen – wie das für mich klang! Unsere gemeinsamen Ausflüge in die Schweiz – nach Zürich und Luzern – erschienen mir als Wunder.

Und dann die Wanderung, die zu einer Regentour auswuchs, bleibt mir unvergesslich. Die hochgewachsenen Herren nahmen uns Weiblein unter ihre weiten Regenumhänge und zogen mit uns bis in Mutters Kappler's große Wohnküche in Wehr. Dort wurden wir buchstäblich auf die Leine gehängt; denn es war nichts mehr trocken an uns. Die halbwegs getrockneten Sachen mussten für die Rücktour wieder herhalten.

Meine 1:4 in Westberlin gekauften Wanderschuhe fielen am Abend in Gersbach auseinander und  mussten dort "begraben" werden. Das erschien mir ein enormer Verlust. Deshalb habe ich sogar geheult.

In den fünfziger Jahren arbeitete ich in Berlin-Ost. Manchen Abend unternahm ich einen Abstecher nach Berlin-West. So schlenderte ich einmal durch die Steglitzer Schloßstraße. Auf der anderen Straßenseite ertönte "Hallo" und das Hupen von einem Auto. Ehe ich noch lange überlegte, sah ich Kurt mit seinem Drogerie-Lieferauto und flugs flog mir eine große Werbetüte schönster Dinge entgegen. Ich konnte sie noch gut auffangen. Mit dem Inhalt reichte ich lange. Das waren Freundschaftsbeweise unter uns!

Waltraud Schampe