Erinnerungen und Gedanken - 47 Jahre Begegnung


Stelter, Wilfried

Hirschluch 1990

Das zweite Treffen in Hirschluch war für mich ein sehr wichtiges Treffen, denn es war das erste Treffen nach dem Mauerfall. Jeder aus der Gruppe erzählte, wie er den Mauerfall erlebte und welche Angst der eine oder andere bei den Demos gehabt hatte.

Aber es gab auch jetzt viele Ängste – für unsere Freunde aus den neuen Bundesländern war so vieles neu. Um viele Dinge, die bisher vom DDR-Staat vorgegeben waren, musste man sich jetzt selbst kümmern.

Für die meisten war die größte Angst die Sorge um den Arbeitsplatz. Wird mein Betrieb dicht gemacht; wird er von einem Westbetrieb übernommen? Werde ich noch gebraucht? Muss ich für meinen Beruf Dinge erlernen; schaffe ich das noch oder bin ich schon zu alt?

Der eine oder andere wird vor lauter Fragen und Mitteilen nicht bemerkt haben, dass es an den drei Tagen fast nur geregnet hat. Aber bei unserem bunten Abend kam die Freude zum Zuge. Alle Mitwirkenden waren wie die Profis bei der Sache. Es wurde so gelacht, dass mancher noch am nächsten Morgen Bauchschmerzen hatte.

Es wäre schön, wenn wir öfter mal so über uns lachen könnten!

Auf der Hin- und Rückfahrt fehlte etwas, auf das wir aber auch gut verzichten konnten, nämlich die Grenzkontrolle. Es gab nur freundliche Gesichter und ein Winken zur Weiterfahrt.

Ja, auch DDR-Grenzer konnten freundlich sein!

Wilfried Stelter