Begegnungen Baden - Berlin-Brandenburg


 1981 in Flecken Zechlin - Das 25er-Jubiläum

Bericht von der Ost-West-Begegnung 1981, Flecken Zechlin

Das diesjährige Treffen mit unserer Partnergruppe in der DDR gab besonderen Anlaß zur Freude und Dankbarkeit. In ununterbrochener Folge trafen sich Freunde aus Ost und West zum 25. Mal zur Be­gegnung und zum Gedankenaustausch. Es war der Wunsch aller Teilnehmer, dieses Jubiläum festlich zu begehen und in einem kleinen Rückblick sich noch einmal einige Höhepunkte, aber auch Mühen und Beschwernisse zu vergegenwärtigen. In all diesen Jahren hat sich nichts an den oft peinlichen Kontrollen geändert, hat man am Übergang in die DDR nie das Gefühl gehabt, die reservierte, oft sogar feindliche Haltung würde einer freundlicheren, brüder­licheren weichen. Auch in diesem Jahr hat sich diese Hoffnung nicht bestätigt.
Unser Thema „Friede“, das der Begegnung als Richtung und Auftrag gegeben war, mutete uns so fast grotesk und utopisch an. Friede im Gleichgewicht der Kräfte in Wirtschaft und Verteidi­gung, Friede aus der Sicht der DDR und des sozialistisch-kom­munistischen Machtblockes und Friede aus der Zusage der Bibel am Beispiel von Jesus Christus, das waren die Richtlinien unserer Überlegungen.
Kann ein sogenanntes Gleichgewicht der Waffen einen dauerhaften Frieden garantieren oder führt das Wettrüsten, das sich aus die­sem Gleichgewicht zwingend ergibt, nicht in eine Ökonomie des Todes? Ist es noch vertretbar, unheimliche Summen für den Verteidigungshaushalt bereit zu stellen und riesige Mengen an Energie in Rüstungsgütern zu binden und zu verbrauchen, während gleichzeitig Millionen Menschen verhungern oder nie eine Chance bekom­men, ein menschenwürdiges Leben zu leben. Ist unser Friede, den wir unter Einsatz großer Mittel sichern, nicht das Verderben, der Unfriede, der Krieg dieser Menschen? Ist ein Zustand ohne Krieg, den wir seit 35 Jahren haben und über den wir sicher auch froh und glücklich sind, den wir Friede nennen, wirklich ein Friede? Ist dieser Friede nur ein äußerlicher oder ist es auch ein innerer, ein Herzensfriede? Dies muß sehr bezweifelt und in Frage gestellt werden. Eine Reihe von Ereignissen in unserer Gesellschaft bestärken diese Zweifel.
Friede aus der Sicht der DDR und des sozialistisch-kommunisti­schen Machtblockes wurde uns durch einen Genossen und Bürger­meister erläutert. Ein Genosse und Bürgermeister, dies war ein Novum für unsere Gruppe, gleichzeitig aber auch eine Tatsache zur Sorge und Verunsicherung. Mit einigen Ausnahmen waren die Teil­nehmer aus der Westgruppe ungeübt im Umgang mit DDR-Genossen und daher auch reserviert und abwartend im gemeinsamen Gespräch. Auch die DDR möchte Friede und ist bereit, alles erdenkliche da­für zu tun. Aber solange es vor allem in Westdeutschland und den USA Aggressoren gäbe, die nicht Friede, sondern Macht und Besitz wollten, solange müsse die DDR zusammen mit ihren Brüdern alles einsetzen, um diesem westlichen Treiben Einhalt zu gebieten.
Der Einsatz gehe gezwungenermaßen manchmal über die Kräfte, nur darin läge die Ursache, daß die DDR Westdeutschland wirtschaft­lich nicht schon längst überholt habe. Nach Meinung des Bürgermeisters würde die UDSSR zusammen mit der DDR eine ausschließ­lich friedliche Politik betreiben (der Einwand Afghanistan konnte ihn in seiner Meinung nicht beirren), während die USA und Westdeutschland auf eine massive Aggressionspolitik setzten, die die Vernichtung der sozialistischen Errungenschaften zum Ziel habe.

Der Friede der Bibel ist ein Friede, der allen Menschen zugesagt ist und der keine Kompromisse zulässt. Er ist gegründet auf die Zusage Gottes und wurde von Jesus Christus vorgelebt und zum Beispiel gegeben:
„Die entzweiten Völker werden zum Berg Zion kommen und Gott wird Recht sprechen. Dann werden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern schmieden und Winzermesser aus ihren Lanzen.“
„Die Großen dieser Welt vergehen, aber Gott wird sein Reich auf­bauen, das ewig besteht.“
„Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen.“
Das sind keine Utopien oder illusionären Wunschbilder, sondern ist die reale Hoffnung der Christen, aus der die Kraft erwächst, die Spannung des Unfriedens und des Machtstrebens der gegenwärtigen Zeit auszuhalten. Als Christen stehen wir zwischen den Blöcken, und es ist unsere Aufgabe, dahin zu wirken, daß Feindbilder abgebaut werden und zu zeigen, daß friedliche Beziehungen zwischen Menschen möglich sind. Die Zusage Gottes für einen beständigen Frieden gibt den Christen das Hoffnungsbild einer abgerüsteten Welt und den Mut, allein dieser Zusage zu vertrauen und diese gegen Ohnmacht und Verzweiflung, die uns im Hinblick auf die gegenwärtige Friedensstrategie beschleichen wollen, zu stellen.

Sicher wurden bei der gemeinsamen Diskussion große Meinungsunter­schiede deutlich, erfreulich war aber trotzdem die Bereitschaft und Möglichkeit des offenen Gesprächs und das ernsthafte Bemühen jedes einzelnen, an seinem Platz nach Frieden zu suchen und ihn zu praktizieren.

Geschichte und Kunstgeschichte in und um Brandenburg wurde uns bei einem Besuch im Museum von Neuruppin vorgestellt. Unser Be­such galt vor allem der Ausstellung, die Karl Friedrich Schinkel und Theodor Fontane gewidmet ist. Beides sind Söhne dieser Stadt und genießen auch heute noch großes Ansehen. Auch wenn Neuruppin selbst kaum noch eine architektonische Arbeit von Schinkel bie­ten kann – seine bekanntesten Entwürfe wurden in Berlin und Potsdam verwirklicht – so begegnen wir ihm doch noch in der Klosterkirche, die in seiner Zeit und unter seiner Mitwirkung renoviert und wieder zum Gotteshaus bestimmt wurde. Die Kriegswirren und ungünstigen Umstände der Nachkriegszeit hatten zur Folge, daß die­se Kirche wiederum leer stand und ohne Gemeinde nach und nach in Vergessenheit geriet. Erst der Umstand, daß die zweite Kirche in Neuruppin, in der regelmäßig Gottesdienste stattfanden, so bau­fällig wurde, daß diese vom Bauamt abgesprochen wurde, veran­laßte die dortige Gemeinde, die Klosterkirche wieder in Gebrauch zu nehmen und dahin umzuziehen. Inzwischen wurde die Kloster­kirche mit großen Opfern der Gemeinde und tatkräftiger Hilfe der westlichen Bruderkirche erneut renoviert und für die heuti­gen Bedürfnisse hergerichtet. Eine ausgesprochen gut gelungene Konzeption, die uns sehr beeindruckte und die für viele Gemeinden richtungsweisend sein kann.

In all den 25 Jahren verstanden wir uns auf beiden Seiten als christliche Gruppe, daher gehörte es immer auch dazu, einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern. In der Dorfkirche in Flecken Zechlin feierten wir mit der Gemeinde den Gottes­dienst mit gleichzeitigem Abendmahl. Leute aus unserer Gruppe gestalteten zusammen mit dem Pfarrer die Liturgie, die Predigt wurde vom Superintendenten aus Pritzwalk gehalten. Ein Text aus dem Alten Testament war Ausgangspunkt seiner Predigt, in der es darum ging, wie man Menschen der heutigen Zeit das Gottes­bild nahebringen kann.

Mit einem Ausblick auf das Treffen im kommenden Jahr und der Festlegung des Termines wurde die Ost-West-Begegnung beendet.