Begegnungen Baden - Berlin-Brandenburg


2006 in Potsdam - Presse-Bericht


Märkische Allgemeine • Sonnabend/Sonntag, 27.28. Mai 2006

Ost-West-Begegnungen seit 50 Jahren

Christen aus Baden und Berlin-Brandenburg sind drei Tage in Potsdam zu Gast

RAINER PLAGEMANN

BABELSBERG

„Danke für diesen neuen Morgen, danke für diesen neuen Tag“ - sin­gend freuen sich rund 50 Christen im Saal der Evangelischen Gemeinde Babelsbergs an die­sem Freitagvormittag, dass sie zusammen sind, 50 Christen aus dem Osten und dem Wes­ten Deutschlands, zum 50. Mal, trotz Mauerbau, trotz DDR. Aus Baden kommen sie, aus Berlin, aus Brandenburg - BBB nennt sich die Gemein­schaft, die der Partnerschaft der beiden Landeskirchen ent­springt, der von Baden und der von Berlin-Brandenburg.
Drei Tage wird diskutiert, be­sichtigt und erinnert, denn vie­les ist passiert in jenen 50 Jahren seit dem ersten Treffen. 1956 hat­ten die Landesju­gendpfarrer Ber­lin-Brandenburgs und Badens, Karl­-Heinz Corbach und Hans Herr­mann, eine Ost­-West-Begegnung für ihre Junge Ge­meinde bzw. die Gemeindejugend ausgeschrieben. Im Evangeli­schen Jugendheim Gersbach im Südschwarzwald fand sie statt. Günter Richter war da­mals schon dabei und ist es an diesem Wochenende in Pots­dam und Babelsberg auch, da­mals Vikar, heute Pfarrer im Ruhestand aus Freiburg im Breisgau. Er ist beeindruckt vom Wandel, den Potsdam nahm, seit die BBB zuletzt in der Stadt war, 1983 und 1984. „Wir waren damals nur 40 Leute“, erzählt Richter, „alle über persönliche Einladungen gekommen, ein Riesenpro­blem.“ Kaum kleiner war das Problem der Verköstigung. In die Zille-Stube an der Karl­Liebknecht-Straße zog man da­mals ein und musste zwei­schichtig essen, weil zu wenig Platz für alle war.
Das ist heute anders. Man diskutiert bei der Kirchenge­meinde in der Schulstraße, schläft in der Jugendherberge nebenan und guckt sich an­sonsten die Stadt an, wo Ver­pflegung kein Problem ist.

Probleme gab es in der An­fangszeit natürlich weit grö­ßere als die Verpflegung in der DDR. Hinkommen musste man erstmal; und das war schwierig seit dem Passgesetz von '57. Plötzlich durften die Brandenburger nicht mehr nach Baden reisen, also ka­men die Badener nach Berlin, wo man sich im Westen traf im „Haus Sonnenland“, vier Jahre hintereinander. Doch es sollte noch komplizierter wer­den, denn 1961 kam die Mauer, und die Badener erleb­ten alle Jahre wieder ihr persönliches Martyrium am Bahn­hof Friedrichstraße - ein „Krimi der Fragen und Kontrol­len“, ehe man die „Gemein­schaft der drei Tage“ genießen durfte. Eine „Einbahnstraße“ sei das gewesen, sagt
Fischer Richter. Wäre nicht die verbindende Kraft des Glaubens gewesen, die Partnerschaft wäre gestor­ben. Die letzten zwölf DDR­-Jahre trug man sie von West immer nach Ost, weil es an­dersrum nicht ging. Dann kam die Wende, und West wech­selte wieder regelmäßig mit Ost.
Künftig werde man aber eher Treffs im „Mittelpunkt“ Deutschlands suchen, sagt Er­hard Henschel, Pfarrer i. R. aus Weggun/Uckermark; bei der BBB ist keiner unter 35. Henschel trug am gestrigen Freitag eine Auslegung des BBB-Jah­resmottos vor: „Gott spricht, ich verlasse Dich nicht und lasse Dich nicht fallen.“

Zum ersten Tag 2006